Startups auf Eiderstedt?

The video cannot be shown at the moment. Please try again later.

Startups und Eiderstedt? Im Ernst? Zwei Dinge die man bisher eher nicht miteinander in Verbindung bringt. Das Silicon Valley ist das Synonym für eine Startup-Kultur schlechthin. In Deutschland hat sich Berlin inzwischen als das Zentrum für junge Unternehmen aus dem IT und Technologie-Sektor mit einer entsprechenden Szene und Kultur etabliert. Auch München und Hamburg könnte man noch nennen.

Eiderstedt und Nordfriesland sind bekannt für Tourismus, Landwirtschaft und Windenergie. Weder eine Uni oder Fachhochschule, noch ein einziger Autobahnkilometer haben sich in diesen Landstrich verirrt (abgesehen von der FH Westküste, die aber in Dithmarschen steht). Und doch sehen wir die Chance, jungen Startups auf Eiderstedt etwas bieten zu können: professionelles Arbeiten, eine inspirierende Umgebung und das Meer.

Hier ein nicht ganz unrealistisches Szenario. Ein Startup aus Berlin, Hamburg oder sonstwo mietet sich für 6 Monate ein Projekthaus auf Eiderstedt. Hier will das Team konzentriert an seiner Idee arbeiten. Als Internet-Startup brauchen die Gründer nicht mehr als ein Dach über dem Kopf, ihre Laptops und Smartphones und einen guten Internetzugang. Die nötigen Server stehen in der Cloud.

Schlafen und arbeiten in einem Haus. In der Startup-Szene gibt es weder feste Arbeitszeiten noch eine klare Trennung zwischen Privatem und Beruf. Warum nicht zum Kiten aufs Wasser wenn der Wind weht? Zum Chillen in die Strandbar oder die Lounge vom Beach Motel? Arbeiten kann man auch nachts. Wer diese Kombination für abwegig hält, kann sich gerne mal den Film The Social Network über die Gründung von Facebook anschauen. Dort gibt es genau solch ein Szenario.

Das Projekthaus muss dabei nicht in St. Peter-Ording stehen. Klar ist SPO mit seinem Strand der Magnet – und der unfaire Vorteil gegenüber anderen Regionen. Aber die Mieten ausserhalb sind deutlich günstiger und daher attraktiver für junge Unternehmen. Und Häuser, bei denen man sich eine solche Nutzung vorstellen kann, gibt es auf Eiderstedt genug. Für die Vermieter hat das Konzept auch seinen Reiz: ein Haus für 6 Monate vermieten statt jede Woche neu. Was noch vielfach fehlt ist der entsprechende Internetzugang. Wenn alle an einem Strand ziehen, kommt dies aber durch das BürgerBreitBandnetz.

Nach den 6 Monaten geht das Team zurück und das nächste kann kommen. Vielleicht bleiben sie ja aber auch noch …

Wasserstandsmeldung

Wie auf Facebook angekündigt, haben wir uns am 19. Oktober in unserem Kreativraum im alten Martje-Flohrs-Haus in Garding getroffen, um uns konkrete Gedanken zum weiteren Vorgehen für meer zeit & company zu machen.

Letztendlich waren wir dann zu fünft aus unserem harten Kern, zwei weitere Mitstreiter waren kurzfristig verhindert.

Im wesentlichen hatten wir drei Punkte auf der Agenda:

  • Kooperationsmodell (was ist ehrenamtlich, was ist kommerziell und wer arbeitet auf welcher Basis für meer zeit & company)
  • Erstellung eines Business Model Canvas für meer zeit & company
  • Nächste Schritte festlegen

Workshop am 19. Oktober

Nebenbei haben wir die Räumlichkeiten im potentiellen Coworking-Haus nochmal genauer in Augenschein genommen und Gestaltungsideen erträumt. Doch dazu mehr in einem anderen Blogbeitrag.

Kooperationsmodell

Wir waren uns sehr schnell einig, dass meer zeit & company für alle Beteiligten einen sehr großen ideellen Wert hat. Wir möchten, dass hier eine Keimzelle für neues Engagement auf Eiderstedt entsteht, das aber auch wirtschaftlich tragfähig ist.

Drei der anwesenden Personen werden als „Kernteam“ die wirtschaftliche Entwicklung unseres Projektes aktiv vorantragen, um langfristig eine solide finanzielle Basis für das Projekt zu schaffen, die anderen Beteiligten sehen ihren Beitrag vorerst als Ideengeber und Netzwerkbildner.

Langfristig streben wir an, meer zeit & company als Gesellschaft mit niedrigem Gewinn zu führen. Im Fokus steht die Vision, eine Keimzelle für Neues Leben und Arbeiten auf Eiderstedt zu sein.

Business Model Canvas

Nach diesen Grundsatzdiskussionen ging es an den kreativen Teil des Tages. Das Business Model Canvas Skelett wurde mit Hilfe von Brown Paper an der Wand aufgehängt und wir haben ungefähr zwei Stunden darüber gebrühtet.

Das Resultat könnt Ihr hier sehen:
Business Model Canvas - Erste Ideen

Als der Flow nach und nach versiegte, ging es ans Priorisieren.

Wir waren uns schnell einig, dass das Coworking der Ausgangspunkt aller Aktivitäten sein sollte, das wir streng nach Lean Start Up – Vorgehensweise schon im Januar starten werden. (siehe nächste Schritte)

Mittelfristig planen wir:

  • Erhöhung der Coworking-Plätze
  • Vermietung von Seminarräumen
  • Aktivitäten mit regionalen Vereinen
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen
  • Start-Up – Match-Making

Konkrete nächste Schritte

  • (Coworking-) Raum für das Kernteam schaffen: 
Ab Januar teilt sich das Kernteam ein gemeinsames Büro in St. Peter-Ording, wo wir einen einzelnen freien Coworking-Platz anbieten. Dieser soll über Ferienvermieter angeboten werden. So wollen wir erste Erfahrungen sammeln und den Bedarf ermitteln.
    Unser finanzielles Ziel ist es, zunächst die Kosten für unser eigenes Büro durch Vermietung an Dritte zu senken.
  • Rechtsform festlegen: Wir brauchen einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für die Vermietung. Dafür wird sich das Kernteam bei einem Steuerberater über die möglichen Varianten informieren.
  • Raumaufteilung im zukünftigen Coworking-Haus festlegen: Wir haben ein Gebäude gefunden, das sich aus unserer Sicht gut für unsere Pläne eignet. Es sind dort noch Umbaumaßnahmen notwendig. Die Planungen dafür werden wir im neuen Jahr angehen.
  • Zusätzliche 2 – 3 Festmieter für das Coworking-Haus finden
  • Projekthäuser vermieten und Feedback sammeln

Die Rolle von meer zeit & company

Nachdem die Ideen rund um meer zeit & company langsam konkreter werden, stellt sich zunehmend die Frage nach der Rolle dieser Initiative. Vor allem die Grenze zwischen ehrenamtlichem Engagement und unternehmerischem Handeln sollten hierbei klar geregelt sein.

Bisher haben wir meer zeit & company als Initiative ohne besondere Rechtsform betrieben. Wir wollen ja auch zunächst schauen, ob die Ideen Anklang finden und es sich lohnt, das ganze in eine festere Form zu bringen. Wir beabsichtigen, über meer zeit & company neue Arbeitsformen auf Eiderstedt auszuprobieren und die Rahmenbedingung für deren Etablierung zu schaffen.

Unsere Vorstellung ähnelt dabei vielleicht dem eines Gewerbevereins und meer zeit & company ist als eine Art Dachmarke vorgesehen. Die Beteiligten engagieren sich hier ehrenamtlich, um ihre Expertise und Erfahrung einzubringen, neue Ideen zu entwickeln und eventuell in Pilotprojekten auszuprobieren. Gleichzeitig bietet meer zeit & company ein Netzwerk zum Austausch, oder um mögliche Investoren oder Unterstützer zu finden.

Engagementmodell meer zeit & company

Wir haben ja bereits konkreter über mögliche Ergebnisse dieser Arbeit nachgedacht und berichtet: Coworking und Projekthäuser mit zugehörigen Dienstleistungsangeboten. Nach unserer Vorstellung sollen diese Einrichtungen und Angebote in erster Linie über ein unternehmerisches Engagement abgedeckt werden, d.h. nicht mehr ehrenamtlich. Es sollen ja gerade Rahmenbedingungen geschaffen werden, über die Möglichkeiten des Neuen Arbeitens neue Einkommensquellen aufzuzeigen und zu erschließen. Diese Einrichtungen und Dienstleistungen sind als rechtlich eigenständige und unabhängige Unternehmungen angedacht.

Nehmen wir als Beispiel das Thema Coworking. Sicher ist es unrealistisch, dass in absehbarer Zeit ein Coworking-Space auf Eiderstedt als alleinige Einkommensquelle für deren Betreiber dienen kann. Aber das Geschäftsmodell sollte mindestens so ausgelegt sein, dass sich die Einrichtung selbst tragen kann und die entsprechenden Aufwände entsprechend abgedeckt sind.

Ob die entstehenden Einrichtungen und Dienstleistungsangebote unter der Marke meer zeit & company laufen, oder ob hierzu eigene Marken etabliert werden, die auf die Dachmarke referenzieren, ist derzeit noch offen.

Coworking auf Eiderstedt - Unsere Ideen

Coworking

Coworking ist ein zentraler Bestandteil des meer zeit & company Konzepts. Nun, da die Pläne langsam konkreter werden und wir ein paar Mitstreiter gefunden haben, möchte ich unsere aktuellen Ideen zum Coworking etwas näher vorstellen.

Wenn man sich in Deutschland mit dem Thema Coworking befasst, kommt man am Betahaus nicht vorbei. Als einer der Wegbereiter steht es fast schon synonym für Coworking. Umso mehr haben die Schließung bzw. Insolvenz der Betahäuser in Köln und Hamburg für Aufmerksamkeit innerhalb der Szene gesorgt. Funktioniert Coworking überhaupt? Und noch wichtiger für meer zeit & company: Kann Coworking in einem ländlichen Raum wie Eiderstedt funktionieren? Coworking wird ja vor allem mit Metropolen und einer entsprechenden Startup-Szene in Verbindung gebracht.

Zunächst sollte klar sein, was wir eigentlich unter Coworking verstehen. Es ist weder ein geschützter Begriff, noch gibt es ein einheitliches Verständnis. Nach unserem Verständnis ist Coworking durch folgende drei Aspekte charakterisiert:

  • Gemeinsam genutzte Büroflächen mit einer entsprechenden Infrastruktur wie Netzwerk, Drucker, etc. (Stichwort: Shared Office / Shared Desk)
  • Die Nutzung des Büros ist dynamisch und häufig zeitlich begrenzt (z.B. nur tageweise)
  • Aus der gemeinsamen Nutzung der Büroflächen entwickeln sich neue, gemeinsame Projekte und Aktivitäten

Der erste Punkt taucht auch im traditionellen Kontext auf. Beispiele sind Bürogemeinschaften, Gemeinschaftspraxen oder Ärztehäuser. Die Flexibilisierung – und damit ein Kern von Coworking – wird erst durch die Möglichkeit geschaffen, sich temporär auf Tages- oder Wochenbasis einen Arbeitsplatz zu mieten.

Während diese zwei Punkte rein organisatorisch erreicht werden können, hängt die Entstehung neuer Projekten und Aktivitäten sehr stark von den beteiligten Personen ab. Dieser Punkt ist daher eher eine Hoffnung, die sich mit Coworking verbindet, als ein integraler Bestandteil. Es ist also ein Glücksfall, wenn sich hier mehr als die gemeinsame Nutzung von Büroflächen ergibt.

Schaut man sich diese Charakteristika an, spricht erst einmal nichts dagegen, dass dies auch im ländlichen Bereich funktionieren kann. Aber es stellt sich natürlich die Frage nach dem Geschäftsmodell und der Zielgruppe. Fangen wir mit der Zielgruppe an.

Auf Eiderstedt gibt es keine klassische Gründerszene wie in den Metropolen. Nichtsdestotrotz gibt es hier Selbständige und Freelancer, die entweder regionale Dienstleistungen anbieten oder sich entschieden haben, Eiderstedt zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen. Dies trifft sicherlich auf viele ländliche Bereiche zu. Wie wir inzwischen durch unsere Aktivitäten rund um meer zeit & company feststellen konnten, gibt es in dieser Zielgruppe auf Eiderstedt durchaus den Bedarf, Büroräume gemeinsam zu nutzen, um nicht alleine vor sich hin arbeiten zu müssen.

Im Falle von Eiderstedt tritt aber noch eine weitere Zielgruppe hinzu: Touristen und Ferienhausbesitzer, die regelmäßig auf Eiderstedt sind. Hierunter sind einige, die auch während des Aufenthaltes auf Eiderstedt arbeiten (müssen). Unklar ist allerdings bisher, ob diese Zielgruppe bereit ist, auf ein Coworking-Angebot zurück zu greifen. Um dies heraus zu finden, haben wir bereits ein paar Aktivitäten geplant.

Eine mögliche dritte Zielgruppe habe ich hier beschrieben: Startups, die sich für eine gewisse Zeit auf Eiderstedt niederlassen. Zu dieser im ersten Moment etwas abwegige Idee haben wir aber bereits positives Feedback aus der Startup-Szene erhalten.

Der eigentlich spannende Teil ist aber sicherlich, ob sich mit diesen Zielgruppen ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt. Und da sehen wir uns auf einem guten Weg. Zum einen verfolgen wir recht konsequent den Ansatz des Lean Startup: Ideen kostengünstig validieren, bevor Investitionen getätigt werden. Bisher hat meer zeit & company lediglich Zeit, ein paar Post-its und einen Webauftritt gekostet. Und trotzdem haben wir bereits sehr wertvolles Feedback und Unterstützung gewonnen.

Der zweite Aspekt des Geschäftsmodell ist, dass wir weniger dem Modell des Betahauses, sonder eher dem des Werksbades in Kiel folgen. Ziel ist nicht in erster Linie, mit dem Coworking-Angebot Geld zu verdienen. Natürlich muss sich das Projekt tragen. Aber wir streben nicht an, unseren Lebensunterhalt über das Coworking-Angebot zu bestreiten.

Objekt für meer zeit & company

Hier könnten schon bald Coworking-Plätze entstehen.

Unser Ansatz sieht vor, das Coworking-Angebot aus einer Bürogemeinschaft heraus zu entwickeln. Wir haben bereits ein paar Interessierte, die entweder bereits eigene Büroflächen gemietet haben, oder zukünftig welche benötigen werden. Diese wollen wir in einem neuen Gebäude zusammenführen, welches über die benötigten Flächen für die Bürogemeinschaft hinaus noch Büroflächen für das Coworking-Angebot vorsieht. Wir haben diesbezüglich bereits mit einem möglichen Investor gesprochen, der uns entsprechende Büroflächen zu einem sehr interessanten Preis überlassen würde. Hier sind wir in der glücklichen Situation, dass der Investor weniger an klassischer Rendite als an der Entwicklung der Region interessiert ist. Die Büromiete wird also zunächst von dieser Kerngruppe aufgebracht und ist voraussichtlich sogar günstiger als die bisherigen Einzelmieten der Beteiligten. Die Teilnahme lohnt sich also schon ohne eine Refinanzierung über das Coworking Angebot. Das finanzielle Risiko ist somit begrenzt.

Diese Bürogemeinschaft wird nun das Coworking Angebot erbringen: Touristen und anderen Interessierten einen professionellen Arbeitsplatz zu bieten. Ziel ist es die Büromiete und entsprechenden Kost (Mobiliar, Drucker, etc.) über das Coworking zu refinanzieren.

Darüber hinaus denken wir auch an verschiedene Veranstaltungen und weitere Services nach, die in diesem Kontext interessant sein könnten. Ideen gibt es genug. Das ins Auge gefasste Objekt bietet auch die entsprechenden Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Workshops und wäre daher ideal geeignet. Auch ein Bistro ist durch den Investor angedacht. Hier könnte also ein richtig cooles Projekt entstehen. Und so wie es aussieht wird hierbei auch der dritte Aspekt des Coworking Realität: neue Projekte und gemeinsame Aktivitäten.

Wenn sich alles so weiterentwickelt, wie derzeit absehbar, können wir im Laufe von 2014 an den Start gehen.